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April 2007 - Freitag CHARLOTTE UND DIE ABWESENHEIT DER DISTANZZONENIGNORANTEN Die heutige Mittagspause habe ich wieder auf dem schönen Hinterhof verbracht, auf einer Bank vor dem Spielplatz in der Mitte. Rundherum Wiesen mit Gänseblümchen und sacht flatternder Wäsche (wobei ich nie auf die Idee kommen würde, meine Wäsche so öffentlich aufzuhängen - ich hätte ständig ein Auge drauf, damit mir keiner nen Lieblingshirt klaut oder beschmiert) und helle Häuser mit buntbepflanzten Balkonen. Ja, FRÜHLING all über all und die Vögel erzählen sich von Früh bis Spät lautstark ihre Geschichten aus dem Winterurlaub. In Gesellschaft von "Charlotte Simmons" ("Ich bin Charlotte Simmons" von Tom Wolfe), einer kleinen Flasche Cola und einem belegten Purett (so eine Art Baguettebrötchen) saß ich happy in der Sonne. Und ich hatte sogar Glück: Kein nerviger Danebensetzer! Es gibt dort mehrere Bänke, aber immer wieder Leute, die sich auf die Bank neben einen setzen müssen, obwohl noch andere frei sind. Das gleiche Phänomen gibt es in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ist in diesen Menschen irgendein uraltes Rudel-Gen hyperaktiv, welches beim Rest der Menschheit wegzivilisiert wurde? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich meistens schwer genervt bin. Nur selten entpuppt sich ein Danebensetzer als netter Gesprächspartner - den leider nehmen sie ja häufiger verbalen Kontakt auf. Ich wage die Theorie, dass Danebensetzer meist auch Zunahetreter sind: Menschen, die sehr nah an einen herantreten, besonders bei einem Gespräch. Jeder Mensch hat seine eigene Distanzzone (bzw. gleich mehrere, nämlich eine öffentliche, gesellschaftliche, persönliche und intime), aber bei einigen ist diese nicht sehr groß und leider scheinen sie nicht die Signale ihres Gegenüber lesen zu können (interessant zu beobachten, wenn zwei Gesprächspartner dann so eine Art Zeitlupenflucht hinlegen, bei der der Flüchtende rückwärts laufen muss, während beide sich unterhalten, als wenn nichts wäre) (ich möchte dann immer STOP!!! rufen, sowas sagen wie: Sie bleiben bitte DORT stehen und ich HIER!) (wirklich unangenehm wird es nämlich, wenn man letztendlich in eine Ecke gedrängt wurde und der Fluchtweg abgeschnitten ist). Nein, die einzige Gesellschaft auf dem Hinterhof war ein etwa achtjähriger Junge. Seine Eltern hatten ihn am Anfang meiner Pause dort gelassen und wollten ihn nach dem Einkauf wieder abholen. Zwischendurch beobachtete ich in manchmal, wie er schaukelte, mit einigen Stöckern und seinem Rucksack in die kleine Holzhütte zog, und, wie er sich auf diese Drehscheibe legte, dem Gesicht zum Himmel und sich drehte und drehte und drehte... Da hätte ich wahnsinnig gern mit ihm getauscht! Mit der "Charlotte" komm ich ganz gut klar, aber ich weiß jetzt schon, dass ich froh bin, wenn ich es durchhabe. Irgendwie hat mich dieser fette Taschenbuchwälzer (fast 1000 Seiten) magisch angezogen, noch bevor ich einen Schimmer hatte, worum es überhaupt geht. Ich hab ihn erst im Laden entdeckt, im Katalog wohl übersehen. Tom Wolfe kannte ich bisher nur vom Namen her. Und hier nun die Überraschung beim Lesen: Der Mann ist 70 Jahre alt und schreibt aus der Sicht von heutigen Collegestudenten, und das so dermaßen glaubhaft, dass es einen ganz sprachlos macht! Allerdings ist die Zeit, die man in einem MTV-Dismissed-Universum verbringt doch recht lang... Langes Wochenende, bombiges Wetter, Plan A: Balkon bepflanzen! Yeah! |
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April 2007 - Dienstag |
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Kein Plan B nötig: Ein herrliches Wochenende (incl. erstem leichten Sonnenbrand)! |