21. Juni 2007 - Donnerstag

Ich bin schon wieder mächtig urlaubsreif! Die letzten Wochen waren anstrengend und bis endlich Zieleinlauf in die herrliche Urlaubszeit ist, wird es nochmal richtig knackig: Inventur...
Die Luft im Laden kann man schon wieder (bzw. immer noch) schneiden, die Kleidung klebt spätestens ab Mittag am Körper, die Kunden fragen mitleidig, wie wir das aushalten und wir, na ja, halten es eben aus. Hilft ja nüscht. Aber es schlaucht mörderisch!

Im Urlaub will ich endlich wieder ein dickes Plus auf meinem Schlafkonto. Bei jedem Toten Punkt gleich Nägel mit Köpfen machen und mich hinhaun'. Ohne Reue. Ohne deswegen dann die halbe Nacht wach zu liegen und am nächsten Morgen den Wecker (den Alltag, die Arbeit, ach, die ganze Menschheit mit ihren ganzen Regeln und Verpflichtungen) zu verfluchen.

 

25. Juni 2007 - Montag

Bevor morgen wieder der Ernst des Lebens losgeht, eine besonders lange Arbeitswoche, kann ich ja noch ein paar Zeilen hinterlassen.

Ich sitz hier am Schreibtisch, das neue Album von Chris Cornell, "Carrie On", läuft (hhm... nett? Bisher will sich noch keine wirkliche Begeisterung bei mir einstellen... hat nicht die Power seiner alten Sachen/Bands/Projekten, "Audioslave" ist ja nun leider auch schon Geschichte, dafür gibt es wieder "Rage Against The Machine" - wie heißt es doch so schön, wenn eine Tür geschlossen wird, wird eine andere geöffnet - ist aber auch nicht so melancholisch düster wie die großartige "Euphoria Morning", doch ich bin ja noch nicht ganz durch, vielleicht gibt es in der zweiten Hälfte ein paar Perlen) und auf der anderen Seite des Fensters braut sich schon wieder was zusammen.

Wohl durch die nahende (okay, acht Monate, aber die rauschen auch schneller vorbei, als man denkt) Veröffentlichung der ersten Kurzgeschichten von Djian, hab ich wieder mehr Lust, mich mit ihm und der Schreiberei zu beschäftigen. Mal wieder dieses ganz spezielle Gefühl zu haben, dass man nur beim Schreiben hat, wenn es rutscht, wenn man nicht mehr aufhören kann, die Finger über die Tasten tanzen zu lassen und trotzdem zwischendurch aufgeregt und wie elektrisiert aufspringt. Wenn man das ganze Leben wieder stärker als Fundgrube empfindet, gedanklich mitschreibt und später am Bildschirm oder auf dem Block die geretteten Fragmente zusammenfügt und etwas Ganzes entstehen lässt. Wieder lustvoller mit den Worten umgeht. Wie schön! An diesem Punkt bin ich alle paar Monate mal. Selten ist was dabei rausgekommen. Verdammte Blockade.

"Früher war ich immer vollkommen baff bei Leuten, die mir nach fünf Minuten ihr Herz ausschütteten, lange haben sie mir Probleme bereitet. Ich frage mich, ob ich am Ende total verklemmt war. Jetzt bete ich für ihre Seele. Wie vielen bin ich nicht begegnet, die mir seelenruhig ihre verdammten Scheiß-Storys ausgepackt haben, ohne über die Details zu heulen? Sie haben mich verwundert und angewidert. Manchmal habe ich den Eindruck, ich verhalte mich nicht anders, aber ich sage mir, ich bin Schriftsteller, das ist nicht das Gleiche, ich bin praktisch VERPFLICHTET, alles zu erzählen. Der Beruf des Schriftstellers ist nicht halb so rosig, wie man meinen könnte. Es gibt Tage, da lähmt mich ein irres Schamgefühl, da muss ich mir jedes Wort abringen. Und im Leben erst, da bin ich ein wahres Grabmal."

(Philippe Djian - "Verraten und Verkauft" - S. 195)

Ein Stückchen Gold in Ton und Bild aus Djians Welt hier


Tipps für den Alltag - Nr. 352:

ACHTUNG, dieser Survival-Guide könnte auch Dein Leben retten! UNBEDINGT ANSEHEN!


Meine Fundstücke des Tages:

Heute erst entdeckt: Kuttner (der Vater, nicht die Tochter) hat einen Video-Blog bei der Netzzeitung. Großartig!

Kurios: Ridley Scott verfilmt Brettspiel Monopoly. Ist demnächst dann mit "Mühle Reloaded" oder "Ein Stein ist unterwegs - Dame" zu rechnen?

???: Unabhängig von dem wirren und endlosen Rechtsstreit zwischen Kosmos (Bücher) und Europa (Hörspiele) kommt im November der Film zum Serien-Klassiker ins Kino. Nun gibt es auch den ersten Trailer zu bewundern: Ganz schick, doch das hat so gar nichts mit den drei ??? zu tun, außer dem Titel "Die drei ??? und die Geisterinsel". War etwas anderes zu erwarten? Nö. Also statt dem Gang ins Kino lieber zu Hause die alte Original-Folge anschmeissen.

Bevor ich nun zum Ende komme, kann ich noch berichten: Die einzige Perle beim ersten (nun gut, etwas nebenbei-) Hören der neuen Cornell-Scheibe: "Disappearing Act". Auch eher ruhig, aber ganz klar herausragend!