10. September 2007 - Montag

Warum ich am letzten Oktoberwochenende nicht in Henry Rollins Auto sitzen bleiben dürfte
Dass Henry Rollins ein vielseitiger Künstler ist, ist nichts Neues. Er macht Musik, schreibt Bücher, nimmt (etwas andere) Hörbücher auf, hatte bereits einige kleine Rollen als Schauspieler (vorhin erst hab ich ihn in "The Crow" gesehen, sein Auftritt dauert allerdings nur ein paar Sekunden), er ist Moderator in Funk und Fernsehen und in einem Interview war von einem eigenen Verlag die Rede. Nun hab ich bei YouTube eine weitere Seite entdeckt, Rollins der Stand-Up-Comedian:


(YouTube)

Zumindest was die Literatur, Musik und Filme angeht, hätten wir garantiert schnell einige Gesprächsthemen, nur das Harry Potter-Wochenende könnte vielleicht kritisch werden. Aber hey, ich hab sogar eines seiner Bücher gelesen, das müsste die Sache wohl wett machen - mal ganz abgesehen davon, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass sich solche Fragen überhaupt stellen könnten, ich in festen Händen bin, und mir ohnehin spätestens nach fünf Minuten vor Angst in die Hosen machen würde, was ebenfalls zu einen Fahrzeugverweis führen dürfte.
"Pissing in the Gene Pool" war das übrigens, vor ein paar Jahren. Beeindruckend und bedrückend, sehr hart, sehr energievoll, wie alles aus dem Hause Rollins.

Ich kann mich noch an die Nacht erinnern, in der ich ihn das erste Mal bewusst gesehen hab. Ende 1995 muss das gewesen sein. Ich war gerade frisch mit meinem damaligen Freund zusammengezogen. Wir hatten im Schlafzimmer noch Iso-Matten statt einem Bett, die Wände waren ungemütlich weiß und der Fernseher stand auf Telefonbüchern (in Berlin sind drei dicke Exemplare Grundausstattung). Es war schon fast Morgen, als wir nach Hause kamen, von einer Feier, glaub ich. Wir lagen auf dem nur leicht gepolsterten Fußboden (mir taten in diesen Wochen ständig sämtliche Knochen weh) und der Fernseher sollte noch ein paar Minuten dudeln. Und plötzlich lief da dieses Video auf MTV und wir starrten beide wie hypnotisiert auf den Bildschirm.



(YouTube)

Wow! Was war denn das??? Danach guckten wir uns nur an und es war klar, dass wir die CD haben mussten. Sofort wurde hektisch nach Schreibwerkzeug gekramt, um bloß nicht den Namen und Albumtitel zu vergessen!
Gleich am nächsten Tag, einem Sonntag, fuhren wir zum Flohmarkt an der Straße des 17. Juni. Das war so unser Ding, wie es in fast jeder Freundschaft oder Liebe irgendwann bestimmte Rituale oder andere Gemeinsamkeiten gibt, die man nicht mit anderen teilen oder nachmachen kann, ohne, dass es sich falsch anfühlt. Vor, während und nach unserer Beziehung (wobei die Freundschaft danach unsere beste Zeit war, wie das eben manchmal so ist) fuhren wir dort gemeinsam zum Platten und CDs kaufen hin und gingen danach bei einem Italiener am Ku'damm essen.
Der Flohmarkt war (ich hoffe, den gibt es noch immer) sehr lang, dort gab es jede Menge Antiquitäten-Händler, Klamotten und eben einige sehr gutsortierte Stände mit CDs und Platten von An- und Verkaufläden. Wir hatten unsere Route und unser Tempo, wussten, wo wir wonach suchen mussten. Natürlich bekamen wir dort die "Weight", die in den Jahren danach zwischen uns hin und her wanderte, bis sich neue technische Möglichkeiten ergaben.

 

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