Ein Wortschatz ohne Romanauszüge. Erst mal ohne meine Helden; den jungen Djian, den göttlichen Fante, die Beats, den King, Brautigan (wobei, der kam schon im alten Wortschatz leider viiieeel zu kurz), Buk, Moers, Coupland, und wie sie alle heißen.
Ein Wortschatz ohne die vielen gesammelten Zitate. Ohne Biographien. Janz nackt und mager also.

Doch das wird sich ändern.
Mein funkelndes Sandkorn für das neue Wortschatz-Phantásien ist:

"
Eine zu 85% wahre Geschichte" von Chuck Klosterman, welche am 25.08.06 für 18,90€ (ja, ich weiß... aber es lohnt sich, echt!) beim S. Fischer Verlag erschienen ist. ISBN: 3-10-038210-2, 284 Seiten, gebunden.
Keine Ahnung, wie viel Werbung es für das Buch geben wird, ich wünsche ihm jedenfalls eine Unmenge begeisterter Leser!
Der Klappentext (und gleichzeitige Einleitung):
"In dieser Geschichte geht es um: Liebe, Tod, Autofahren, Narzissmus, Amerika, die unangebrachte Glorifizierung des Drogenkonsums zu Entspannungszwecken, um Sex, den man nicht hat, Gespräche mit Fremden, die nostalgische Sehnsucht nach der unmittelbaren Vergangenheit, um Filme, die man nicht gesehen hat, um KISS, Radiohead und Rod Stewart." CHUCK KLOSTERMAN

Manchmal führt uns ein Buch dort hin, wo große Gefühle, Humor, großartige Musik und eine unvergessliche Geschichte sich treffen - eine zu 85% wahre Geschichte.


Ein ungewöhnliches und ungemein interessantes Leseerlebnis; ein im Präsens geschriebener tagebuchartiger Bericht eines Ich-Erzählers, extrem autobiographisch anmutend und niemals langweilig!
Die eigentliche Geschichte ist fix zusammengefasst: Chuck Klosterman ist Musikjournalist bei einem New Yorker Magazin und will einen Artikel über seine Reise quer durch Amerika, zu den Todesstätten berühmter Rockstars, schreiben. Er setzt sich ins Auto und fährt los. Im Kopf drei Frauen, die in seinem bisherigen Leben eine große Rolle gespielt haben, jede Menge Musik und tote Musiker, verschiedene Filme, seine Schreiberei, Erinnerungen, Träumereien, es gibt diverse Gespräche mit imaginären Beifahrern, Begegnung mit der jeweils einheimischen Bevölkerung, einsame bekiffte Abende im Hotelzimmer und natürlich lange Autofahrten.
Das Bewundernswerte an diesem Roman ist nun, dass man in jeder Minute, mit jedem Satz, das Gefühl hat, dabei zu sein und einem guten Freund zuzuhören, der viel zu erzählen hat.  
Um den vollen Genuss zu erleben, sollte man allerdings ein gutes Musikwissen- und Interesse (Richtung Rock/Alternativ) mitbringen und in den 70ern geboren sein oder zumindest einen älteren Bruder (oder natürlich auch Schwester, Onkel, Tante, etc.) mit einer gut sortieren Plattensammlung und Missionargeist haben.

Der erste Satz: "
Ich bin für das Leben hier nicht qualifiziert."
Anhang: Ein 12-seitiges zweispaltiges Register für erwähnte Bands und Musiker, Liedtitel und Alben, sowieso für Filme.

"Eine zu 85% wahre Geschichte" (im Original "Killing Yourself to Live. 85% of a True Story") ist Chuck Klostermans drittes Buch, allerdings die erste deutsche Übersetzung (von Adelheid Zöfel).

27.08.06